Freitag, 17. Februar 2012

Thailand - Noon Saat


Nachdem wir im Sueden von Thailand genug von Sonne und Strand hatten, machten wir uns auf den Weg zu Oey und Paul. Die Reise dauerte ziemlich lange. Zuerst ueber Nacht nach Bangkok und von dort direkt weiter nach Udon Thani im Nordosten. Dort holten uns Oey und Paul mit dem Pick-Up ab. Die Fahrt zum Dorf, indem sie leben, dauerte nochmals 2 Stunden. Wir wurden freundlich in der Familie aufgenommen. 
Im Haus der Eltern von Oey leben zur Zeit 7 Leute. Das waeren die Eltern, die Schwester von Oey mit zwei Kindern und Oey & Paul. Das Haus ist einfach und zweckmaessig eingerichtet. Gekocht wird draussen unter dem Vordach. Es gibt einen Gasherd und eine Feuerstelle. Es hat nicht wirklich Zimmer, sondern eher Nieschen, welche mit Schraenken oder Tuechern abgetrennt werden. So hat jeder sein "Zimmer" und genuegend Privatsphaere. Gegessen wird, wo es gerade passt. Es werden Bastmatten ausgebreitet und dann wird das Essen serviert. Meistens wird aus mehreren Toepfen gegessen. Zum Beispiel geduenstetes oder rohes Gemuese (gesammelt oder aus dem Garten), Fisch (aus der Farm) mit Sauce und Reis (auch von der Farm). Der Reis ist fest und klebrig. Man nimmt etwas Reis in die Hand, drueckt und knetet ihn in einer Hand zu einem Klumpen und taucht den Klumpen in den Topf. Zur Unterhaltung gibt es noch einen Fernseher, welcher vorallem von der Jugend rege benutzt wird. Dazu kommt noch ein Rudel Hunde. Diese strolchen den ganzen Tag um das Haus und lassen sich nochsogerne streicheln.
Ein bischen ausserhalb dem Dorf befindet sich die Farm des Vaters. Die ganze Familie hilft mit, die Felder im Schuss zu halten. Die Farm besteht aus mehreren Reisfeldern, welche 2x im Jahr geerntet werden koennen. Dazu kommen noch Gummibaeume, Bananenbaeume, ein kleiner Garten und ein kleiner Tuempel, wo Fische gezuechtet werden. Praktisch alles, was die Farm her gibt, wird selber verwertet. Der Reisanbau lohnt sich finanziell fast nicht mehr. Jedoch machen die Leute in dieser Gegend gutes Geld mit Gummi. Diese Baeume werden im Abstand von ca. 5 Metern gepflanzt. Wenn der Stamm einen Durchmesser von ca..30cm hat, wird die Rinde angeritzt und der Gummi tropft ganz langsam in eine kleine Schale. Von Zeit zu Zeit wird ein Mittel in die Schale gegeben, damit sich der Kautschuck nicht verhaertet. Heute ist die Kautschuckgewinnung ein gutes Geschaeft und sehr wichtig fuer diese Gegend. Denn die Kautschuckpreise sind sehr hoch. Oey und Paul haben sich auch eine Gummifarm gekauft und werden das naechste Jahr das erste Mal ernten koennen.
Neben dem Elternhaus haben Oey und Paul angefangen ihr Haus zu bauen. Die Bodenplatte und die Stuezen sind schon fertigbetoniert. Paul hat einen Bautrupp aus dem Dorf engagiert. Sie haben per Handschlag eine Pauschale ausgehandelt fuer die Bodenplatte, die Stuetzen, die Riegel und die Mauern. Eines Morgens auf der Baustelle als Paul mit den Arbeitern den weiteren Verlauf diskutierte, behauptete der Chef der Bautruppe, dass die Mauern nicht in der Pauschale inbegriffen seien, obwohl Paul einen sehr fairen Preis fuer dies bezahlt hatte. Paul hat kurzerhand den Bautrupp zum Teufel geschickt.
Eines Morgens weckte uns Musik und eine Durchsage des Dorf-Praesidenten. Dies sei so ueblich. Wenn es etwas zu sagen gibt, wird es ueber die Lautsprecher verkuendet, welche im ganzen Dorf verteilt sind. Dabei kann es sich um verschiedene Sachen handeln. Beispielsweise, dass die RentnerInnen ihre Rente abholen koennen oder, dass heute alle aufgefordert werden, die Hauptstrasse zu flicken. In unserem Fall ging es um den hundertsten Todestag eines Moenches. Dies bedeutet nicht nur laute Musik am morgen sondern auch ein Fest am Abend. Es gab ein Konzert (Theater/Konzert/Show) indem ein aeusserst kurz berockter Ladyboy das halbe Dorf in den Bann riss.
Wir haben jedoch nicht nur viel vom Dorfleben mitbekommen, auch die Umgebung haben wir erkundet. Am Sonntag gab es am Mekong einen Laos Markt. Da kommen die Laoten mit dem Boot ueber den Fluss und verkaufen ihre Wahre. Zu finden gab es da u.a. lebende Froesche, tote Ratten aber auch Kleider, Messer, abstruseste "Medizin und schoene Orchideen. Wir besuchten auch den Skulpturenpark"in Nong Khai. Dort gab es riesige Skulpturen von Buddha und von hinduistsichen Gottheiten. Oey erklaerte uns das Kunstwerk "das Rad des Lebens" welches sich mit dem Prinzip der Wiedergeburt auseinandersetzt.
Am Abend gingen wir meistens in den Dorfladen ein paar Biere kaufen. Diese waren immer schnell weg. Denn neben den Eltern wohnt noch ein Bruder von Oey und noch weitere Verwandte. So ist immer ein Kommen und Gehen. Wenn da noch ein kuehles Bier geoeffnet wird, muss man nicht zweimal bitten. Wir haben die Zeit bei Oey und Paul sehr genossen. Wir haetten es nicht gedacht, dass uns die einfache Lebensweise der Leute so beeindrucken wird. Es sind jedoch die kleinen Dinge, die bei erstem Hinsehen vielleicht nicht so auffallen. So koennen diese Leute, wenn es nichts zu tun gibt, einfach nur so sein. Sie setzen sich irgendwo auf den Boden und fertig. Nicht so wie wir, die wir das Gefuehl haben, staendig etwas machen zu muessen, sei es lesen, sprechen oder was auch immer.
Wir bedanken uns auf diesem Wege nochmals bei Oey und Paul. Durch euch hatten wir die Chance ein authentisches und sehr ehrlich herzliches Thailand erleben zu koennen. Wir wuenschen euch alles Gute fuer die Zukunft und freuen uns schon darauf beim naechsten Besuch das Haus und den Garten zu bewundern.

Wir sind mittlerweile seit drei Wochen in Kambodscha und haben schon wieder sehr viel erlebt. Irgendwie kamen wir mit dem Schreiben dann auch nicht so voran. In zwei Tagen geht es dann weiter nach Vietnam.
Liebe Gruesse
Tobi und Anita

5 Kommentare:

  1. es sind sehr informative Berichte lese sie immer mit Spannung danke und Gruss Pirmin

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  2. Sehr interessant dieser Bericht! Erinnert uns von der Beschreibung des Hauses und Lebensweise sehr an unsere Tour im Norden Vietnams. Sind gespannt wie es weitergeht und wie euch Vietnam gefallen wird.
    Hier gibt es zur Zeit auch viele Ladyboys (Adi&Raini an der Fastnachtseröffnung...)
    Liebe Grüsse
    The Dominiks

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  3. Lasst euch vom einfach da sitzen und nichts tun nicht zu sehr beeindrucken. Es war bis diese Woche viel zu kalt zum Reben schneiden. Die grosse Parzelle ist noch nicht geschnitten und vielleicht bleibt euch auch noch die eine oder andere Reihe. Also es heisst bald einmal Hände aus dem Sack ! Das schweizerische Leben lässt nicht mehr lange auf sich warten! Also geniesst die letzten Wochen noch.

    Gruss Monika

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  4. Also Getti,hör nicht auf diese ältere Dame und verlänger noch ein paar Monate.Glaub mir,die Reben werden vor dem ausstossen fertig geschnitten und angebunden sein:-)

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  5. Das isch scho super wemu so zu iheimische verbi cha. so eppis erläbsch suscht eifach nit.
    Und ich bi öi der Meinig, kei Sorge wäx de räbe. Der Papa het ja jetzt zwei flissigi potentielli schwigersehn wo di würdig verträtund.
    Grüess Martina

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